Am nächsten Tag ging es nach Wismar.
Am Wohnmobilpark Westhafen habe ich einen Platz bekommen und mache mich bald auf den Weg in die Stadt.
Auf dem Weg in die Stadt komme ich an einem "Lost Place" vorbei, ein altes Gebäude, das halb verfallen ist. Kein schöner Anblick.
Wismar, 1229 erstmals erwähnt und seit 1266 mit lübischem Stadtrecht ausgestattet, entwickelte sich als bedeutende Hansestadt zu einem Zentrum für Handel und Schiffbau. Nach dem Dreißigjährigen Krieg war Wismar von 1648 bis 1803 (faktisch) bzw. 1903 (formal) unter schwedischer Herrschaft. Die historische Altstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe, geprägt von Backsteingotik, Hansezeit und schwedischen Einflüssen.
Die Nähe zum Meer nagt an den Gebäuden und bei vielen blättert schon wieder die Farbe ab.
Ein Gebäude der Freimaurer.
Nach dem Ende der DDR wurde Wismars historischer Stadtkern ab 1991 im Rahmen der Städtebauförderung gründlich saniert.
Manche Häuser haben Giebel mit leeren Fenstern.
Es gibt mehrere Bedeutungen dazu:
In Wismar dienten Giebel mit leeren Fenstern (sogenannte Blendfenster oder Blendbögen) primär der architektonischen Dekoration und der Statik. Im Detail erfüllten sie in der mittelalterlichen Backsteingotik folgende praktische und repräsentative Zwecke:
- Gewichtsreduktion & Statik: Große, massive Giebel waren schwer. Durch das Einlassen von Vertiefungen (Fensteröffnungen) sparte man wertvolle Ziegelsteine und verringerte das Gesamtgewicht, das auf dem Gebäude lastete.
- Optische Gliederung: Die fensterartigen Nischen lockerten die riesigen, oft schmucklosen Backsteinflächen auf und machten die Fassaden harmonischer und repräsentativer.
- Prestige und Wohlstand: Die aufwendig gestalteten Giebel dienten als Statussymbol. Sie spiegelten den Reichtum der hanseatischen Kaufleute und Brauer wider.
- Tarnung: Sie dienten dazu, die dahinterliegenden, oft unregelmäßig angeordneten Speicherböden und Ladeluken von außen symmetrisch und geordnet wirken zu lassen

Der „Alte Schwede“ am Marktplatz von Wismar ist das älteste Bürgerhaus der Stadt. Das beeindruckende Backsteingotik-Giebelhaus wurde um 1380 erbaut. Seinen Namen erhielt es im 19. Jahrhundert in Erinnerung an die schwedische Herrschaftszeit, die Wismar nach dem Dreißigjährigen Krieg für über 150 Jahre prägte.
Am Markt fällt auch besonders das Gebäude mit der grünen Jugendstilbemalung auf, das Restaurant "Seestern". Früher kannte man es als Hotel "Stadt Altona", das 1837 diesen neogotisch-historisierenden Giebel erhielt, der dann 1900 zusätzlich mit Jugendstilmotiven bemalt wurde. Die heutige nachempfundene Jugendstilbemalung erfolgte nach einem historischen Foto.
Besonders hübsch sind die beiden Kellner vor der Tür mit den langen Schürzen. So stelle ich mir vor um 1900 im Seestern begrüßt zu werden.
Der Marktplatz ist mit großen Kieselsteinen gepflastert. Laufen und Radfahren sind dort kaum möglich. Erst recht nicht mit einem Kinderwagen oder einem Rollator.
Der Marktplatz in Wismar, einer der größten Deutschlands, ist das historische Herz der Hansestadt. Seit dem Mittelalter war er zentraler Handelsplatz und gesellschaftliches Zentrum. Geprägt wird das Areal durch die beeindruckende Architektur der Backsteingotik und der niederländischen Renaissance sowie durch seine geschichtsträchtige Umgebung.
- Die Wasserkunst (1602): Das unverkennbare Wahrzeichen auf dem Platz wurde zwischen 1579 und 1602 im Stil der niederländischen Renaissance vom Utrechter Baumeister Philipp Brandin errichtet. Der zwölfeckige Pavillon diente bis 1897 der zentralen Trinkwasserversorgung der Stadt.
St. Marien (Die ehemalige Ratskirche): Als älteste Pfarrkirche Wismars (13. Jahrhundert) prägte sie einst die Silhouette. Nach schweren Beschädigungen im Zweiten Weltkrieg wurden das Langhaus und der Chor 1960 unter kulturpolitischem Druck der DDR-Führung gesprengt. Erhalten ist heute nur noch der monumentale Turm.
Das im Juni 2024 eröffnete Hotel "Das Kittchen" in Wismar (Kellerstraße) ist eine einzigartige Unterkunft, die in einer ehemaligen Jugendarrestanstalt untergebracht ist. Das denkmalgeschützte Gebäude, dessen Wurzeln bis zu einem Armenhaus zurückreichen, diente bis 2013/2014 als Gefängnis. Der Umbau bewahrte den rauen Charme mit Gittern und Zellentüren.
Nach Celle und Lüneburg war Wismar für mich etwas enttäuschend. Vielleicht habe ich auch nicht die richtigen Ecken besucht. Wenn ich noch einmal herkomme, werde ich mich besser vorbereiten und noch andere Sehenswürdigkeiten besuchen.
Morgen machen ich mich auf den Weg Richtung Sierksdorf und fahre noch in Dassow vorbei.
Im TV habe ich mal eine Ausstellung von StarWars gesehen. Mal sehen, ob geöffnet ist. Bin gespannt.
bis bald
Eure Barbara